Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich hier ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Wie das social Web die private Kommunikation verändert

29.06.2009
Sie lesen hier einen Artikel im Archiv eines lange geschlossenen Blogs. Die Informationen können also arg veraltet sein.
Besuchen Sie www.webwork-manufaktur.de

Einer der häufigsten Kritikpunkte an den Sozialen Netzwerken, an Twitter und abgeschwächt auch an Blogs ist

»Ich muß doch überhaupt nicht immer wissen, was XY gerade macht. Das sind doch alles totale Nichtigkeiten von Menschen mit überzogenem Mitteilungsdrang.«

Schaut man sich allerdings einmal einen »normalen« Gesprächsablauf zwischen Freunden an, die sich länger nicht gesehen haben, stellt man schnell fest: Die ersten Minuten des Treffens – je nach Zeitraum, der seit dem letzten Gespräch vergangen ist auch Stunden – werden damit verbracht, absolute Alltäglichkeiten auszutauschen:

Szene im Cafe »Was macht denn der und der?«
»Hast Du den mal gesehen?«
»
Ich war ja so erkältet«
»Ach, Du hast einen neuen Aufgabenbereich im Job?«

Der Mensch benötigt diesen Austausch, um sich wieder anzunähern, wenn man sich länger nicht gesprochen hat. Man bringt sich gegenseitig auf den aktuellen Status des eigenen Lebens, um dann – wenn noch Zeit übrig ist – in die eigentlichen, die tieferen Gespräche einzusteigen. Die bestehen dann bei genauerem Hinsehen aus dem eigenen Umgang und den Bewertungen dessen, was der andere und man selbst erlebt hat.

Menschen, die über den direkten Kontakt hinaus noch via Internet über Soziale Netzwerke oder den täglichen Twitterstream Kontakt haben benötigen diesen Austausch nicht. Die nicht wirklich inhaltsvollen Stausmeldungen des anderen werden täglich nebenher gelesen. Jede für sich hat fast keinerlei Bedeutung – alle zusammen bilden sie aber einen steten Fluss an Statusmeldungen, die eine dauerhafte Verbindung zum anderen ermöglichen. Menschen, die so Kontakt halten können bei »Real Life«-Treffen ganz anders in ein Gespräch einsteigen. Sie wissen vom anderen und sie wissen auch um ihre stete Verbindung. Oft entsteht so ein Gefühl der Vertrautheit, das man sonst eher von guten Freunden zu denen man eben täglichen Kontakt hat, kennt.

Was bedeutet das für private Kontakte?

Menschen, die sich viel über Soziale Netzwerke austauschen müssen sich beim Gespräch mit »Offlinern« anpassen. Ihr direkter Gesprächseinstieg mag unhöflich, aufdringlich oder als zu direkt empfunden werden.
Sie müssen sich auf das langsamere Tempo der Gespräche umschalten und auch akzeptieren, dass Gespräche weniger gehaltvoll erscheinen.

Sie müssen aber auch wissen, dass Freunde, die sie vielleicht nur oder hauptsächlich online und über den täglichen Twitter-Stream kennen eben noch nicht wirkliche Freunde sind, auch wenn das Gefühl bei einem Treffen ähnlich ist.

Und für Freundschaften, die auf Grund einer räumlichen Distanz früher gelitten hätten finden sich im Web die idealen Möglichkeiten um trotz großer Distanz und seltenen Treffen eine Freundschaft aufrecht zu erhalten.

Was dieses Gefühl, was Kontakte über das social Web schaffen für Firmen bedeuten kann, kann man sich schnell ableiten; ob man die Chancen, eine emotionale Ebene zu seinem Kunden zu halten verstreichen lassen will, mag jeder selbst entscheiden.

« neuere Artikel |Artikelübersicht | ältere Artikel »


Diese Seite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung der Seite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Widerspruchsmöglichkeiten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.