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Nutzen ziehen statt benutzen

05.01.2010
Sie lesen hier einen Artikel im Archiv eines lange geschlossenen Blogs. Die Informationen können also arg veraltet sein.
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Weiter gehts mit den Überlegungen über den Nutzen, den man aus dem Engagement in sozialen Netzwerken ziehen kann.

Liest man die beiden letzten Artikel fällt auf, dass beide sich darum drehen, dass jemand Nutzen aus den sozialen Netzwerken online gezogen hat:
Einmal ich, der ich darüber berichte, dass mich im letzten Jahr Menschen, die mich bereits über twitter, Blog oder ähnliches kannten engagiert haben um für sie zu arbeiten.
Dann Torsten Schwarz, dessen Hinweis auf einen kostenlosen Download sich via Twitter mehrere tausend mal weiter verbreitete und er seine Reichweite damit quasi verdoppeln konnte.

Diese beiden Beispiele mögen einmal stellvertretend für andere Erfolgsbeispiele stehen – andere Geschichten sind da meist vom Prinzip her ähnlich.

Schaut man nun genauer hin, stellt man einen wichtigen Unterschied fest, der beim Erklären, warum jemand sich aktiv im Social Web engagieren sollte meist für Verwirrung sorgt.

Im ersten Beispiel war ich – also der Benutzer – selbst aktiv. Ich habe täglich etwas Zeit und Aufmerksamkeit investiert und war – vereinfacht gesprochen – offen für Kommunikation.
Wichtig: Dabei habe ich quasi nie im klassischen Sinne dort geworben oder "PR gemacht". Ich vermute, ich habe zu ca. einem Drittel Alltäglichkeiten aus meinem Arbeitsalltag geschrieben und zu einem Drittel Artikel aus dem Web, die ich lesens- und empfehlenswert fand verlinkt. Das letzte Drittel habe ich direkt auf andere reagiert - also geantwortet oder Retweetet.

Der Nutzen, den ich daraus gezogen habe ist also absolut indirekt entstanden. Menschen haben dort über meine Empfehlungen und meine Art zu denken und zu schreiben ein Bild von mir bekommen und für sich beschlossen, dass ich für sie arbeiten könnte.

Im zweiten Beispiel hat der eigentliche Benutzer über einen Newsletter einen Impuls gegeben – die wirklich aktiven waren dann die anderen Nutzer von Twitter, die den Hinweis weitergegeben haben. Torsten Schwarz hat dazu nichts aktiv beigetragen, er konnte beim Versand des Newsletters nur hoffen, dass das Angebot eines qualitativ hochwertigen und kostenlosen Downloads interessant genug war, um sich "selbstständig" weiter zu verbreiten.

Und auch ich konnte nicht wirklich strategisch ausgeklügelt steuern, ob Menschen interessant genug fanden, was ich zu sagen hatte und vielleicht sogar mit mir arbeiten wollten. Die einzige Möglichkeit, die ich hatte war, alltäglich und authentisch meine Arbeit, meine Interessen und auch meine Art zu teilen.

Im social Web aktiv zu werden bedeutet also oft ohne Absicht aktiv zu werden. Das meint natürlich nicht, keinen Plan im Hintergrund zu haben, aber es heisst, dass nicht jeder einzelne Tweet, nicht jede Statusmeldung hundertprozentig zielgerichtet sein darf.

Die Menschen mit denen man im social Web spricht (und nicht an die gerichtet man spricht) merken sehr genau, wenn jemand ihnen Vorträge hält, um sie von etwas zu überzeugen. Sie merken, wenn jemand nur redet, aber nicht zuhört und sie merken, wenn hinter den Worten keine Substanz steckt.
Aber genauso erkennen sie auch an, wenn jemand sich auf Augenhöhe mit ihnen begibt und mit ihnen Gespräche führen will.

Das erfordert einen feinen Unterschied im Denken, auf den ich in Vorträgen und Workshops auch immer wieder Wert lege: Man kann das social Web nicht wirklich benutzen. Man kann "nur" Nutzen daraus ziehen.

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