Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Erst üben, dann benutzen

Disclaimer: Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag schreibe. Zu selbstverständlich scheint seine Aussage. Aber: Die Wirklichkeit belehrt mich eines besseren.

 

Seit das Superwahljahr 2009 angebrochen ist fragen mich vermehrt wieder Menschen danach, was denn Twitter, facebook, myspace und diese Blogs so sind – ich müsse mich da doch auskennen. (Und ich denke, das ist richtig)

Dabei machen aber viele den Fehler, diese Dienste vom ersten Moment an »benutzen« zu wollen. »Benutzen« im Sinne von: Nutzen herausziehen. Am besten Geldwerten Nutzen und das auch am besten sofort.
Dabei sollte man nicht aus den Augen verlieren: Es handelt sich bei allen diesen Diensten um Plattformen, auf denen sich Menschen treffen. Oder besser: Miteinander kommunizieren.

Und so etwas lässt sich genau so wenig benutzen wie eine volle Kneipe sich benutzen lässt. Aber so etwas ist wahrscheinlich genau so nützlich wie eine volle Kneipe, wenn man offen auf die Menschen zu geht und offen kommuniziert.

Es ist nichts daran falsch, auch Dienste wie Twitter oder facebook im Sinne einer Marken- oder Unternehmenskommunikation gebrauchen zu wollen – ganz im Gegenteil.
Aber um auf den Vergleich mit der Kneipe zurück zu kommen: Auch dort bringt es wenig Freude – und noch weniger Freunde – wenn man sich hineinstellt und einfach nur laut ruft, wie toll man ist. Auch dort kommt es darauf an, zuzuhören und zu kommunizieren. Und das sollte man dann vielleicht etwas langsamer angehen.

Da das Internet ja aber nun einmal alles speichert, was wir dort tun wäre die beste Möglichkeit, erst einmal zu üben. Geht das?

Ja, das geht: Ich kenne im Moment zwei Menschen, die unter einem Pseudonym bei facebook angemeldet sind und dort alles ausprobieren, was geht. Beide werden vermutlich facebook schon in kurzer Zeit in einem höchst professionellen Umfeld nutzen – und ich finde es sehr beeindruckend und äußerst klug, dass die beiden sich dann schon richtig auskennen.

Ich empfehle gerne, sich das zum Vorbild zu nehmen.

 

Aufgeräumt

Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vor knapp 4 Monaten habe ich diese Website komplett relaunched. Und manchmal passiert es dabei, dass man trotz den besten Vorsätze den Überblick verliert. Dass man zuviel will und auf einmal alles unnötig kompliziert.

Mit etwas Abstand hatte ich das Gefühl, genau das getan zu haben und so habe ich ein wenig um- und vor allem aufgeräumt. Dabei sind ein paar Seiten verschwunden – Seiten die bei genauerer Betrachtung eigentlich doppelt und damit sehr überflüssig waren. Außerdem ist eine komplette Navigationsebene verschwunden – ich denke, das macht alles hier noch übersichtlicher.

Nebenbei: Bei der Gelegenheit habe ich mich auch wieder einmal über »mein« CMS MODx gefreut. Denn es hat sich zum Beispiel kein einziger URL geändert.Obwohl ich intern fast alles an andere Stellen geschoben habe. Aber das wie gesagt nur nebenbei – besten dank für die Aufmerksamkeit. Und zurück zum Alltag.

Politik 1.0

netzpolitik.org hat sich im Jahr eins nach Obamas Wahlkampf einmal im deutschen Web umgeschaut und die Websites der deutschen Politiker gesichtet.

Herausgekommen ist eine Würdigung der besten »Politiker-Websites von gestern«. Websites und eben auch Politiker, die sich im Web konsequent den modernen Dialog-Möglichkeiten verschließen und bei wenig-sagenden Selbstdarstellungen wie sie damals, vor der Jahrtausendwende üblich waren, stehen geblieben sind.

Dabei fanden wir Gemeinsamkeiten: Alle nominierten Kandidaten gehören der Großen Koalition an. Der Anteil an ehemaligen Ministern, die nur noch ihre Zeit bis zum Ende der Legislaturperiode absetzen, ist überraschend hoch. Und in der Regel gehören sie der SPD an (Schily, Eichel und Struck). Die konsequente Verwendung von Frames und damit eine gewisse behindertenfeindlichkeit gehört auch in der Regel dazu. Dann sind da noch die eher unregelmässigen und wenigen Aktualisierungen, die für unbedarfte Beobachter aufgrund der Webseiten darauf schließen lassen, dass die Abgeordneten nicht soviel tun. Und dann ist da noch in der Regel das Fehlen jeglicher Dialogmöglichkeiten abseits von Mailadressen. 

Dann ist es ja gar nicht so schwer, sich positiv abzuheben.

»» Die besten Politiker-Websites von gestern

Benimm Dich wie ein Twitterati.

Sehr schön zum letzten Artikel »Benimm Dich wie ein Blogger« passend macht im Moment eine Grafik ihre Runde durch die Blogs, die die 5 Stadien des Twitterns beschreibt:

5 Stages of Twitter-Acceptance

Ergänzend dazu sehe ich diejenigen, die meinen, sich aus irgendeinem Grund einen Twitter-Account zulegen zu müssen und dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Stufe 1b hängen bleiben: Anwesenheit trotz Abwehr.

Gründe für so einen empfundene Anwesenheitspflicht können da vom ganz banalen Gruppendruck (»Alle meine Freunde sind da«) bis hin zu handfesten wirtschaftlichen Interessen (»Meine PR-Agentur sagt, Twitter ist ein ganz heißes Ding« oder wahlweise:  »Obama hat doch auch getwittert?«) reichen.

Dass sich gerade ein Kommunikations-Medium wie Twitter nur schwer angemessen - und damit mit einem nachhaltigen Nutzen -  füllen kann, wenn man es nicht schafft, die Skepsis hinter sich zu lassen und es einfach zu TUN, liegt auf der Hand.

Bild aus dem Influential Marketing Blog und via bluelectric.

Benimm Dich wie ein Blogger.

Oft komme ich mit Menschen ins Gespräch, die von den "neuen Möglichkeiten" im Internet gehört haben. Menschen die irgendwo gelesen haben, dass all die Phänomene, die ich jetzt einmal bequemerweise unter dem Begriff "Web 2.0" zusammenfasse eine idelae Möglichkeit sind, um Unternehmensnews und Pressemitteilungen zu platzieren und um dazu noch quasi wie von selbst Erfolg in den Suchmaschinen zu haben. Sie sind interessiert an Weblogs und am Microblogging und beobachten staunend, wie sich Menschen in social Networks einfinden.

Im weiteren Verlauf solcher Gespräche stoße ich allerdings oft auf eine tiefe Skepsis: Denn wenn man sich näher zum Beispiel mit Blogs beschäftigt, stößt man natürlich auf langweilige Tagebücher und Katzenfilmchen, auf Troll-Kommentar-Schlachten und auf technikverliebtes Metablogging.

Aus einem "klassisch professionellen Blickwinkel" heraus anscheinend kein besonders gutes Umfeld, um sich dort zu präsentieren. Also wird gerne auf die Qualität der Blogs (und das lässt sich auch auf Tweets, Qype-Beiträge, Facebook-Pinwand-Artikel und ähnliches übertragen) geschimpft. Schnell werden die Menschen, die dort schreiben herabgesetzt - und noch mehr die Dinge mit denen sie sich beschäftigen.
Und der eigene Blog-Auftritt soll natürlich ganz anderes sein.

So entsteht dann ein seltsames Spannungsfeld, weil einerseits "die Blogs" benutzt werden wollen und andererseits die gleichen Blogs herabgesetzt und beschimpft werden. Weblogs, die - wenn überhaupt - aus so einer Voraussetzung entstehen sind dann meist uninspiriert und leer und werden schnell wieder eingestellt.

Was passiert hier? Meines Erachtens wird etwas wichtiges übersehen.

Fangen wir doch einmal vorne an: Es gibt seit ein paar Jahren - möglich gemacht durch einfache Software und schnelle Internetzugänge - einen Trend, dass User eigene Inhalte ins Internet beisteuern. Die Menschen schreiben dort über das, was sie bewegt und sie unterhalten sich dort über das was sie bewegt. Egal, ob man das jetzt mag oder nicht, egal, ob dort qualitativ hochwertiger "User-generated Content" entsteht oder nicht - so ist es einfach.

Natürlich ist das ein ganz anderes Umfeld als das vom Werber gesteuerte oder am besten sogar geschaffene Umfeld einer sorgfältig geplanten Kommunikations- und Marken-Kampagne. Aber - rufen wir es uns noch einmal in Erinnerung: Es ist das, was da ist.
Es ist da, es hat seine eigene Sprache und seine eigenen Rituale entwickelt - und es funktioniert in weiten Teilen prächtig.

Und so ist - auch wenn es vielen schwerfällt - die einzige Chance, wenn man an diesen Bogs, an dieser pulsierenden Szene teilhaben möchte: Akzeptieren, dass es so ist.

Es hilft nun einmal nichts, gleichzeitig die vermeintlichen Vorteile nutzen zu wollen aber dabei die eigentliche Substanz abzulehnen.

Oder anders gesagt: Wenn Du ein Blog haben willst, benimm Dich wie ein Blogger.

gute Kommentare - schlechte Kommentare?

Nur ein kurzer Lesetipp: Paul Graham hat verschiedene Typen von Kommentaren - beziehungsweise genauer: verschiedenen Typen von Widerspruch klassifiziert. Und da wir in unserem Kommentaren meist wohl auf Widerspruch stoßen - wer zustimmt schweigt meist - kann so ein Wissen helfen, die Kommentare richtig einzschätzen:

Der offensichtlichste Vorteil darin, Formen des Widerspruchs zu klassifizieren, ist, dass es Menschen dabei hilft, besser zu beurteilen, was sie lesen.

»» Wie man widerspricht (Paul Graham, Übersetzung von Jens Meiert) 

12345678910111213141516171819202122232425262728293031323334353637


Diese Seite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung der Seite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Widerspruchsmöglichkeiten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.