Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Lohnt es sich, etwas zu verschenken?

Wenn Musiker oder Filmemacher entdecken, dass Ausschnitte ihrer Werke beim Videoportal YouTube zu finden sind reagieren sie normalerweise mit Verboten und/oder Abmahnungen. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder und eines der erfolgreichsten Beispiele der letzten Zeit liefert die legendäre britische Komikergruppe Monthy Python.

Sie eröffneten einen eigenen Channel in dem sie selber Videos in guter Qualität anboten. Und brachten sich damit vermutlich alten Fans in Erinnerung und einem neuen Publikum überhaupt erst ins Bewusstsein.

Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass sich ihre DVD-Verkäufe um 23000% erhöhten.

Ein Blick zurück

Blick auf einen KalenderSeit 1997 oder 1998 arbeite ich jetzt als Webdesigner - so ganz genau lässt sich das gar nicht mehr bestimmen. Und aus der Entfernung ist es auch eigentlich egal.

Manchmal werfe ich einen virtuellen Blick zurück auf diese Zeit; das geht ja sehr bequam im Internet: ich rufe einfach alle diese Websites noch einmal auf.

Da sind die, die ich kenne, weil ich immer noch daran arbeite. Weil ihre Besitzer immer noch zusammen mir mir an der Website arbeiten. Das freut und ehrt mich.

Da sind ein paar, deren Besitzer irgendwann nicht mehr zu sprechen waren. Die Firma gibt es nicht mehr aber die Website kündet nach wie vor von früher erbrachten Leistungen. Das ist ein bisschen seltsam, auf derart »untote« zu stoßen.

Ein paar Domains laufen natürlich auch ins Leere oder zeigen neue Inhalte von neuen Inhabern.

Einige wenige sehen noch so aus, wie ich sie vor 8 oder 9 Jahren hinterlassen habe. Die Besitzer sind immer noch zufrieden, auch wenn ihre Websites weder optisch noch technisch dem entsprechen, was heute im Internet möglich ist. Und auch eine freundliche Beratung kann daran nichts ändern. Das ist natürlich etwas schade, weil dort Chancen vertan werden.

Und dann sind da noch welche, wo ich irgendwann die Mitteilung bekam, es werde sich nun jemand anderes um die Website kümmern. Meist ist die Rede von Full-Service-Agenturen, die sich um die gesamte Corporate Identity kümmern und im Rahmen dessen natürlich auch die Website lieber selber machen wollen. 90% dieser Seiten sehen übrigens noch genau so aus, wie ich sie vor Jahren verlassen habe.

Was mir das sagen soll, das weiß ich nicht.

(Bild von Konna E unter CC. Besten Dank dafür.)

Relaunched : nadine-oberstein.de

Ich verweise einfach mal eben nach drüben – zu meiner geschätzten Partnerin Nadine Oberstein, die heute Ihre relaunchte Website ans Licht der Welt hat kommen lassen. Wie immer bewundere ich ihr Gefühl für Klarheit und Einfachheit und freue mich, dass ich mit ihr immer wieder zusammen arbeiten kann.

Aber machen Sie sich doch selbst ein Bild: Nadine Oberstein | Beratung. Konzeption. Web- und Printdesign

SEO und CMS: Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung als Anforderungen an ein Content Management System

Ein Lesetipp:

Mit einem Content-Management-System (CMS), das den Grundsätzen der Suchmaschinenoptimierung nicht Rechnung trägt, können Webprojekte keinen Erfolg haben. Deshalb stellen wir Ihnen einige Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung ("SEO") vor, die als Funktionalität Bestandteil eines CMS sein sollten und auf die Sie bei der Auswahl oder auch der Programmierung eines Content-Management-Systems auf jeden Fall achten sollten.

Sasa Ebach auf akademie.de: SEO und CMS: Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung als Anforderungen an ein Content Management System

Millionengewinne trotz Gratis-Downloads

Trotzdem die Musikindustrie verzweifelt an ihren alten Modellen festhält und ihre eigenen Käufer immer weiter kriminalisiert gibt es Ausnahmen - die müssen aber wohl im Moment von den Bands ausgehen. Die Band Nine Inch Nails verschenkte Ihr Album kostenlos zum Download. Sie nahmen trotzdem Millionen ein. Ein nachahmenswertes Modell, das beweist, dass Fans gute Musik bezahlen, auch wenn es Gratis-Alternativen gibt.

Das Reizwort "kostenlos" war nur der Einstieg in eine recht differenzierte Preis- und Angebotsstrategie. Denn kostenlos ist nicht das komplette Album, sondern nur eine "schmale" Version von nur 9 Titeln. Es gibt es eine Vielzahl von Kaufoptionen, die geschickt zwischen Fans und "normalen" Kunden unterscheiden und jedem das Produkt in diversen Editionen anbieten. 

Bernd Röthlingshöfer: Wie Nine Inch Nails ihr neues Album verschenkten und trotzdem 1,6 Millionen US Dollar einnahmen 

Internetsperre gegen Kinderpornographie?

Unter der Federführung von Familienministerin von der Leyen ist beschlossen worden, dass demnächst das deutsche Internet gefiltert wird. Und zwar im Kampf gegen Kinderpornographie (siehe z.B. Spiegel online, 15.1.09: Von der Leyen lässt Kinderpornografie aus dem Netz filtern).

Kinderpornographie ist natürlich ein schwieriges Thema. Nicht, weil es irgendjemanden gäbe, der darüber diskutieren würde, ob Kinderpornos in irgendeiner Art und Weise akzeptabel wären. Das sind sie natürlich nicht und darüber besteht auch absoluter Konsens.

Schwierig wird es erst, wenn man den Kampf gegen Kinderpornographie mit einem anderen Thema verknüpft. Zu schnell entsteht dann durch diese Verknüpfung der Eindruck, dass man nicht mehr gegen das andere Thema, sondern gegen den gesamten Kampf argumentiert.

Es ist also nicht ganz einfach und um das Gesamtbild erfassen zu können muß ich jetzt ein wenig ausholen:

Zum einen – ich werde nicht müde, es immer wieder zu betonen – ist alles, was im Internet passiert für einen Großteil der Bevölkerung immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung inzwischen mit Breitbandanschlüsssen ausgestattet ist und  regelmäßig »ins Internet geht« heißt das noch nicht, dass sie sich dort wirklich auskennen. »Das Internet« ist immer noch sehr neu, die Entwicklungen dort zu schnell und die technischen Hintergründe schwer zu verstehen.

Zweitens – auch das habe ich gelegentlich erwähnt – ist das Bild »des Internets« in der Öffentlichkeit nicht immer das beste. Die klassischen Medien haben Angst, dass Ihnen das Web den Rang abläuft und berichten im allgemeinen eher zurückhaltend bis kritisch, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Und die Leser oder Zuschauer, die das Web eh eher nicht verstehen (s.o.) nehmen natürlich die Meinung klassischer Qualitätsmedien gerne auf. Warum auch nicht?
Und gerade Kinderpornographie ist – neben Terrorismus – eines der Schlagworte, die immer wieder mit dem Web in direkte Verbindung gebracht werden. Oder, um es kürzer zu sagen: Im Web verabreden sich Terroristen und Pädophile und tauschen sich dort aus. Mit diesem erschreckenden und erschreckend falschem Bild werde ich auch heute noch immer wieder konfrontiert.

Wenn dann jemand – wie jetzt Frau von der Leyen in Zusammanarbeit mit Wolfgang Schäuble und Michael Glos – kommt und eine Regelung fordert, dann klingt das natürlich löblich.

Dass das Mittel – eine Filterung der Inhalte – vollkommen sinnlos und auch gefährlich ist, spielt keine Rolle. Kann für den Normalbürger auch gar keine Rolle spielen, denn wie oben erwähnt, weiß ja eh keiner genau, wie das technisch alles geht.

Und ab jetzt wird es ganz schwierig: Denn wenn nun jemand beginnt, gegen die Methode, also gegen die Filterung zu argumentieren greift genau jener verhängnisvolle Zusamenhang, über den ich eingangs sprach: Wer gegen den Kontext argumentiert, dem wird vorgeworfen, gegen den Kampf gegen Kinderpornos zu argumentieren.

Weil das aber nicht so ist auch hier noch einmal ein paar wichtige Punkte:

  • Eine Filterung im Internet ist prinzipiell technisch entweder auf Basis von  Adressen verdächtiger Seiten oder auf Basis der Filterung von Schlagworten möglich.
    Also entweder »zeige die Seite www.irgendeine-adresse.de nicht an« oder »zeige alle Seiten mit dem Wort XY nicht an«
  • Adressen im Web lassen sich innerhalb von Stunden ändern - eine Filterung nach Adressen ist also nicht wirksam umzusetzen.
  • Eine Filterung z.B. nach dem Wort »Kinderporno« würde auch diesen Artikel hier sperren. Und vermutlich auch die Veröffentlichung von Frau von der Leyens Gesetzestext – so eine Filterung ist also auch nicht umsetzbar.
  • Durch die Netzstruktur des Internets und durch Firmen, die in unser aller Interesse das Web indizieren und archivieren (nämlich die Suchmaschinen, die das Web für uns alle erst benutzbar machen) finden sich Inhalte nicht nur unter einer einzigen Adresse.
    Im Gegenteil: Wir alle wollen ja sogar, dass z.B. Google einen Teil unserer eigenen Website speichert und anderen zeigt wenn sie nach etwa suchen.
    Wenn aber die Ursprungsadresse wechseln, bleiben aber nur die Kopien bei den Suchmaschinen dauerhaft gespeichert und schon trifft ein Filter nicht mehr den Urheber, sondern den Suchmaschinenanbieter.
    Das ist auch schon passiert: In England wurde so die Wayback Machine gesperrt, die Schnappschüsse des Internets aufnimmt und speichert.

Oder in Kurzform:

  • Es geht nicht.
  • Es trifft die falschen.

Was bleibt ist der Eindruck eines blinden Aktionismus. Im besten Falle. Im schlimmsten Falle führen wir gerade die Zensur in Deutschland ein, weil jemand das Medium nicht verstanden hat.

Zum Weiterlesen ein Tipp: Thomas Knüwer vom Handlesblatt hat noch andere Seiten dieses schwierigen Themas beleuchtet.

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