Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Lesetipp: You are not the User

Lesetipp: Gefährliche Projektion

All die Prognosen, mit denen Internetfirmen um sich warfen, gingen davon aus, dass die gesamte Bevölkerung mit dem Internet umging wie ich. Ich musste nur mit Familie und Nachbarn sprechen, um zu wissen: Das war definitiv nicht so. 

Bitte hier entlang »

Das Internet in Deutschland - Update

Als kleine, traurige Ergänzung zu meinem letzten Artikel über den Umgang mit dem Web in Deutschland mag diese kleine Meldung dienen:

Die SPD-Fraktion im Bundestag prüft laut einem Medienbericht die Einrichtung von Störsendern im Reichstag. Damit solle verhindert werden, dass Abgeordnete aus vertraulichen Sitzungen Nachrichten beispielsweise an den Mikroblogging-Dienst Twitter schicken können, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.  

(heise online 29.5.09: SPD-Fraktion erwägt Störsender gegen Twitterer)

Man mag jetzt sagen, dass dieses Verhalten »typisch deutsch« oder »typisch Politiker« ist, aber es bleibt eigentlich egal und auch nicht wichtig.

Wichtig ist, dass es ein trauriger aber weit verbreiteter Umgang ist:
Statt sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinander zu setzen, statt zu hinterfragen, warum es einen Dienst wie Twitter gibt und warum Menschen ihn benutzen wird ein Verbot aufgestellt. Und weil man interessanterweise der eigenen Fraktion - also sich selbst - nicht vertraut, wird dieses Verbot technisch durchgesetzt. Das ist am bequemsten, denn so muss sich niemand - weder die, die getwittert haben noch die, die es verbieten wollen - mit dem eigenen Verhalten auseinandersetzen.

Das Web ist aber eine Veränderung - eine Veränderung, die auch ein geändertes Verhalten fordert.

Aber niemand kann sein Verhalten ändern, wenn er es nicht vorher reflektiert.

Wie ich schon sagte: Das Leben ist nicht einfach in den Lagern der digital natives ...

Ergänzend empfehle ich auch die Lektür des Artikels »Die unerträgliche Seichtigkeit der deutschen Internet-Debatte« bei netzwertig.com.

Das Internet in Deutschland

Wir schreiben das Jahr 2009. Die ganze Welt ist vernetzt und erfreut sich an den Segnungen eines weltumspannenden Netzwerkes namens "World Wide Web"

Die ganze Welt?

Nein, denn in einem kleinen Entwicklungsland sitzen Menschen an der Macht, die leider nicht verstehen, was da vor ihrer Nase längst passiert ist. Und das Leben ist hart für die Besatzer in den umliegenden Lagern Facebookum, Twitterorum und Xingum.

Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte man so einen sehr launigen Artikel über das Web in Deutschland einleiten.

Leider ist es aber traurig. Denn während zum Beispiel das Manager Magazin seinen Lesern dringend rät, sich doch bitte endlich einmal mit diesem Web auseinander zu setzen ...

Unternehmen sind gut beraten, die Web-Ureinwohner ernst zu nehmen. Denn sie können nicht weniger als unsere Gesellschaft verändern. 

 (18.5.09: Die Revolution der Web-Eingeborenen)

Nicht dabei, nicht interessiert oder schlicht planlos: Eine Untersuchung zeigt, wie brüsk Deutschlands Topunternehmen dem neuen Kommunikationsweg Twitter die kalte Schulter zeigen - und womöglich den Anschluss verlieren. Marketingstrategen fordern ein Umdenken. 

(3.4.09: Ratlos, planlos, kein Interesse)

... wird andernorts gegen das Web und seine Mechanismen Stimmung gemacht. So stellte die Zeit kürzlich noch fest, dass die Politiker zum Beispiel nichts weniger tun, als »eine Generation verprellen«

Im Internet gibt es viele Proteste gegen die geplanten Kinderpornosperren. Politiker haben für die Kritik nur Verachtung übrig. So verprellen sie ihre künftigen Wähler 

(10.5.09: Wie man eine Generation verliert)

Erste Erfolge zeigen sich. Denn während das Soziale Netzwerk Facebook inzwischen mehr User hat, als Russland oder Brasilien Einwohner, geht man in Deutschland lieber auf Nummer sicher und regelt die Web-Aktivitäten lieber klein. Der letzte Rundfunkstaatsvertrag zum Beispiel verbietet den öffentlich-rechtlichen Programmen eine Menge Aktivität im Web. Man mag sich fragen, warum das – ist doch gerade für einen Radio- oder Fernsehsender das Web quasi das ideale Medium um Hintergfrundinformationen anzubieten und so ganz nebenbei mit qualitativ gut recherchierten und aufbereiteten Infos seine Zuschauer zu halten. Aber genau das dürfen das die öffentlich-rechtlichen nicht.

Und so zieht das ZDF erste Konsequenzen: Es streicht ca. 80% seine Webangebotes. Ja. Achtzig. Eigentlich logisch.

Das ZDF will bis zum Jahresende rund 80 Prozent seiner Internetangebote streichen - als Reaktion auf den neuen Rundfunkasstaatsvertrag, der am 1. Juni in Kraft tritt und der die Web-Präsenz der Öffentlich-Rechtlichen beschneidet.
Vom Netz genommen werden bereits bestehende Inhalte von heute.de, zdf.de und sport.zdf.de, bestätigt Unternehmenssprecher Alexander Stock. "Das ZDF wird seinen Online-Bestand deutlich reduzieren. Das betrifft vor allem Textseiten.

(eMarket, Meldung des Tages am 26.5.2009)

Zusammenfassend kann man sagen: Es wird Stimmung gegen das Web gemacht. Wir brauchen das nicht, wir müssen uns nicht anpassen, so flüstert es um uns herum.

Wohin so eine Haltung führt, das können sicher ehemalige Mitarbeiter solcher deutscher Traditionsunternehmen wie Grundig, Siemens oder Braun sicher erzählen. Diese Unternehmen hatten es nämlich auch nicht nötig, den Markt einmal aufmerksam anzusehen oder ihm vielleicht sogar zu folgen.

Das Leben ist nicht einfach in den Lagern der digital natives ...

Schreiben kann jeder? Protext.

Von meiner alten Blog-Kollegin Biggi Mestmäcker bekam ich heute Morgen eine eMail, die mich auf ein schönes Projekt aufmerksam machte: Die Protextbewegung.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass unter der »kann doch jeder«-Mentalität manche Berufe mehr leiden als andere. Kaum jemand käme zum Beispiel auf die Idee, sich seinen Esszimmertisch selbst zu schreinern, nur weil es im Baumarkt billig Holz, Ponal und Stichsägen gibt.

Dummerweise kommen aber viele auf die Idee, sich eine Website selbst zu »programmieren« weil bei den meisten Betriebssystemen automatisch ein Programm dabei ist, was einem dabei hilft.

Dass Webdesign mehr ist, dass gutes Webdesign bei einer gründlichen Konzeption anfängt und bei einer sauberen Programmierung, die irgendein Programm gar nicht leisetn kann noch lange nicht aufhört - das steht natürlich in keinem dieser Programme.
Und da aber die Ergebnisse aber auf den ersten Blick gleich aussehen muss auch ich mich oft fragen lassen, warum ich denn so viel mehr Geld haben will als der Kasten Bier, den der Sohn des Nachbarns verlangt hat.

Der Unterschied zum schon erwähnten Tisch ist eben, dass man sofort sieht, wenn der Tisch wackelt, uneben gesägt ist und nicht gerade steht. Dass eine Website nicht gefunden wird, die Besucher nicht hält und eh nur für einen kleinen Besucherkreis mit einem bestimmten Browser lesbar ist - das nimmt derWebsite-Heimwerker erst später oder nie wahr.

Auch Texter - das weiss ich von denen, mit denen ich zusammen arbeite - haben unter dem gleichen Problem zu leiden. Viele Texte, die ich bekomme wurden von der Seketrärin »nebenbei« geschrieben. Und das sind die besseren.

Und deswegen weise ich gerne hier an dieser Stelle auf die Website Protext hin. Bitte hier entlang.

 

ProText

 

Merci für die Aufmerksamkeit.

Empfehlung des Hauses: Workshop "Mein Elevator Pitch"

Ich unterbreche das Programm für eine kurze Werbung Empfehlung des Hauses.

Birgit Rumpel, eine geschätzte Kollegin aus dem Dortmund-Netzwerk Kommunikation bietet einen neuen Workshop an:

Workshop "Mein Elevator Pitch" - Der schnelle Weg zur effektvollen Kurzpräsentation

Der Workshop eignet sich für alle, die jederzeit bereit sein wollen, sich und ihr Unternehmen / ihr Produkt / ihre Dienstleistung zu präsentieren. Besonders Selbstständige und Freiberufler sind damit angesprochen.

Wir lernen den Elevator Pitch als sehr effektives Mittel der Kurzpräsentation kennen: Was steckt dahinter, was gehört dazu und wie mache ich das? Nach einer kurzen theoretischen Einführung soll im anschließenden praktischen Teil möglichst viel geübt werden.

Die nächsten Termine (jeweils 15 bis 19:00 Uhr):

Mittwoch, 27. Mai 09
Donnerstag, 4. Juni 09
Dienstag, 16. Juni 09
Mittwoch, 19. August 09
Dienstag, 25. August 09
Donnerstag, 3. September 09

Ort: Seminarraum im Union-Gewerbehof, Huckarder Str. 10

Teilnahmebeitrag: EUR 60,00 zzgl. MwSt.

Da ich selbst darum weiß, wie schwer es sein kann, die eigene Tätigkeit in einem kurzen, prägnanten Satz zusammen zu fassen - aber eben auch wie hilfreich es ist, genau das zu können, reiche ich diese Empfehlung einfach einmal hier ins Blog weiter.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

 

 

Journalismus vs. Internet

Der sog. »klassische Journalismus« und »das Internet« stehen sich an vielen Stellen in Feindschaft gegenüber. Das ist nichts neues und an den klugen Stellen gibt es auch immer wieder Annäherungsversuche und Diskussionen.

Wie tief der Graben aber eigentlich ist merkt man erst im Alltag - zwei kleine Geschichten, die ich erlebte mögen da als Beispiel dienen:

Gestern rief mich jemand von der Lokalzeitung, die ich letztes Jahr nach jahrelangen Abonnement abbestellt hatte, an. Warum ich gekündigt hätte, wollte die Dame wissen. Als ich erwiderte, ich sei durch das Internet schneller und besser informiert als durch ihre Zeitung ging ihre Stimme sprichwörtlich in den Keller und sie legte auf.

Vor ein paar Jahren bereits traf ich beim Medienforum NRW zufällig einen Bekannten aus meiner kleinen Stadt. ich war dort beim Podcastday, der in dem Jahr dem Medienforum angegliedert war, er war auch beruflich da. Als ich auf seine Nachfrage, was ich als nicht-Journalist denn bitte dort mache erklärte, dass ich den Podcastday besuche entglitt auch ihm das Gesicht. Er habe ja gar nicht gewusst, dass ich einer von denen sei, sagte er noch und sprach seitdem nicht mehr mit mir.

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