Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Journalismus im Internet

AltpapierstapelIn den vergangenen Jahren hat sich viel geändert, in der Presselandschaft. Das ist zwar ein Allgemeinplatz, aber trotzdem herrscht immer noch die strenge Regel, nicht über zurückgehende Verkaufs- und Abonentenzahlen zu sprechen, sondern regelmäßig die Erfolge der offline- und online-Publikationen zu feiern.

Steffen Range und Roland Schweins haben im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zum Thema »Wie das Web den Journalismus verändert« verfasst und kommen unter anderem zu dem Ergebnis:

Die wenigsten Klicks der verlegerischen Sites gehen auf redaktionelle Inhalte zurück. Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten.

Wenn man an eigene Lese-Erfahrungen bei den online-Ablegern der großen Zeitungen denkt, ist das schnell zu verstehen: Man klickt sich ja gerne noch fix 15 Seiten durch eine Bildergalerie, nachdem man den auf 5 Seiten gestreckten Artikel gelesen hat. Aber jeder dieser Klicks wird gezählt und wenig später auch gefeiert.

Wer jetzt den großen Moment des Grass-Root-Journalismus sieht, wird jedoch auch erst einmal enttäuscht:

Auch das Schreiben von Weblogs kann kaum als neues Format, sondern eher als Verzicht auf journalistische Stilformen angesehen werden.

Also: Quo vadis, online-Journalismus?

Die komplette Studie kann als PDF (2,2MB) hier heruntergeladen werden.

»Das Elend des Online-Journalismus: Klicks, Quoten, Reizwörter« via Robert Basic bei sommergut.de gefunden, Foto unter CC-Lizenz von chaosinjune bei flickr.

Medienkompetenz beim Konsumieren im Web 2.0

Crazy KidBei meinem letzten Vortrag zum Thema »Web 2.0« drehten sich die meisten Nachfragen nicht um technische Themen, sondern um den Umgang der Menschen mit den Diensten, die unter diesem Schlagwort firmieren.
Zum einen ging es natürlich darum, warum Menschen sich in irgendeiner Form im Internet einbringen möchten.
Zum anderen aber auch viel darum, wo der einzelne seine Grenze zieht, wie weit er sich im Internet darstellen möchte, wie viel Content er also generaten möchte (man verzeihe mir bitte diese kleine Vergewaltigung der Sprache) und ob und was für Folgen das im »echten leben« haben kann.

Die Qualitätsfrage: erst einmal irrelevant
Je nach Einstellung kann man das, was man an Bildern bei flickr und Co., und an Videos bei YouTube findet, entweder begeistert als die individuelle Ausdrucksform des einzelnen oder aber auch als belanglosen Müll ansehen. Aber darum soll es hier gerade nicht gehen.

Screenshot WayBack-Machine unter www.archive.orgDas Internet vergisst nichts.
Wenn man sich in den gängigen Portalen umsieht stellt man sich oft die Frage, ob diejenigen, die dort ihre Urlaubsvideos oder Szenen aus dem Alltag zur Schau stellen auch noch in fünf oder zehn Jahren mit diesen Szenen in Verbindung gebracht werden möchten. Und auch in den Studentenportalen sind nicht alle nur auf der Suche nach später geschäftlich nützlichen Kontakten.

 

Screenshot Google-Eingabe zur Suche nach Max MustermannDer generierte Content begegnet einem oft zweimal
Schon jetzt suchen Personalchefs ganz selbstverständlich erst einmal bei Google und in den »social Networks«, ob sie nicht etwas finden, mit dem sie den Bewerber im Gespräch erst einmal konfrontieren. Vielleicht gibt es ja Drogenprahlereien aus dem letzten Ibiza-Urlaub, oder Sprüche unter der Gürtellinie, die in einer hitzigen Diskussion nachts um zwölf leichter in die Tastatur und irgendein Web-Forum flossen, als man sie bei wachem Kopf sagen würde.
(Wer es einmal ausprobieren möchte, kann ja seinen Namen und auch ein paar verwendete eMail-Adressen bei Google eingeben. Oft tauchen da Dinge auf, die man selbst nicht mehr wusste.)

Kompetenz beim erstellen
So bedarf es also einer gewissen Kompetenz im Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Man muss wissen, dass das Internet nichts vergisst und muss versuchen abzuschätzen, zu welchen Äußerungen man auch Jahre später noch stehen kann.

 

Das Bluetooth-IconDas böse Internet?
Aber ist - wie man so oft hört - »das Internet«, sind die neuen Möglichkeiten schuld daran, dass Menschen sich ausprobieren und Dinge tun, die nichts mit dem Berufsleben zu tun haben und die auch den Chef nichts angehen?
Dank Handykameras und schneller Internetzugänge, dank Web 2.0 aber auch dank Bluetooth und der Möglichkeit, Filme blitzschnell über alle Handys einer Schulklasse zu verbreiten sind die Zeugnisse davon zwar heute schneller verbreitet als noch vor wenigen Jahren. Und dank Google-Cache und der WayBack Machine kann man vieles davon auch noch länger im Internet finden, als man vermutet hätte. Oder man sieht sich selbst auf einmal bei einer der unzähligen Shows, die »das beste aus dem Internet« präsentieren.
Aber daran ist ja nicht das Medium schuld, sondern - wenn es überhaupt um eine Schuldfrage geht - die User.

 

Kompetenz beim Konsumieren
Deswegen gehört genau so gut die Kompetenz derjenigen dazu, die Filme oder Beiträge vorfinden.
Hat deswegen auf einmal jeder, der diese Inhalte sieht das Recht, sie in sein Bild der betroffenen Personen mit ein zu beziehen? Hat ein Personalchef das Recht, seine Bewertung eines Angestellten, der seit mehreren Jahren gut und zuverlässig arbeitet zu ändern, weil er auf einmal ein Video davon gesehen hat, was sein Angestellter in den zwei Wochen Sommerurlaub tut?
Was sagt es über das Verhältnis zwischen Chef und Angestellten aus, wenn er das Urlaubsfilmchen, das er bei MyVideo oder sonstwo im Internet gefunden hat nicht lächelnd übergeht, sondern gegen seinen (zukünftigen) Angestellten benutzen will?

Jeder normal denkende Mensch sollte da schon unterscheiden können - und den Unterschied zwischen einem Urlaubsspass, einem lustigen Lipsync-Video oder zum Beispiel der gefilmten Vorbereitung einer kriminellen Aktion verstehen und einordnen können.

Auch das ist nämlich Medienkompetenz. Und da wir - egal wie wir dazu stehen - in einer Zeit leben, in der sich jeder so gut oder schlecht er kann weltweit präsentieren kann eine dringend nötige.

Warum ich gerne alleine arbeite

Es werde Schrift

Cover der Broschüre »Es werde Schrift«Ein Tipp für die Gestalter und Schriftliebhaber unter den Lesern:
Im Fontshop gibt es gerade kostenlos die Broschüre »Es werde Schrift« zu bestellen.
Im Fontblog gibt es Infos zum Inhalt:

… ist es wichtig, mehr über die Entstehung und den Wert der Schrift zu erzählen. […] Angesehene Schriftgestalter und Font-Techniker gewähren uns einen Blick hinter die Kulissen der Schriftherstellung … mit dem Ziel, den Wert der Schrift verständlich zu machen.

Meine Bestellung ist gerade rausgegangen - merci an den Fontshop und an Manuela, bei der ich den Hinweis gerade gefunden habe.

Redner werden ist nicht schwer

Auf einmal war es da. Wahrscheinlich hat es daran gelegen, dass ich eh überall erklären muss, was ein Weblog ist und warum ich - beziehungsweise überhaupt jemand - dort regelmäßig hineinschreibt. Und was überhaupt gerade im Internet los ist. Die Idee, dass es sich dabei um ein Tagebuch handelt, das jemand aus purem Exhibitionismus der Welt verfügbar macht ist wohl noch zu weit verbreitet.

Und zusammen mit der vagen Idee, dass man aus diesen kleinen, ungeplanten und ungeordneten Monologen, die aus einer solchen Erklärung immer wieder wurden auch einen etwas größeren, strukturierten Vortrag machen könnte kam auch direkt die erste Anfrage.

Das Lÿz Siegen suchte jemanden für einen Vortrag zum Thema Web 2.0.
Bisher hatte ich nur Vorträge in kleinerem, quasi semi-privatem Umfeld bei einer kleinen Veranstaltungsreihe meiner damaligen Bürogemeinschaft gehalten -ich wusste also, dass ich vor Menschen sprechen und ihnen auch etwas mitgeben kann. Aber ein komplett öffentlicher Vortrag war neu.
Also habe ich einmal geordnet, habe viele kleine Fragmente, von denen ich wusste, dass sie die Menschen interessieren und 6 Jahre Blogger- und 8 Jahre Community- und Berufserfahrung in eine Struktur gebracht und auf eineinhalb Stunden Vortrag zusammengekürzt.

Ehrlich gesagt war Siegen natürlich ein Schonraum für so einen ersten öffentlichen Versuch. Wenn es alles ganz schlimm gelaufen wäre, dann wäre die Nachricht vom Versagen vermutlich nicht bis hier nach Menden gekommen - aber solche Sorgen waren unbegründet:
Die Zuhörer erschienen reichlich, blieben - wie Zwischenfragen zeigten - am Thema, fragten nach und diskutierten nachher noch angeregt weiter.
Die Website, auf der der ich weiterführendes Material zusammengestellt und die Präsentation zum Download angeboten habe wurde rein rechnerisch von allen Zuhörern mindestens einmal besucht und über drei Viertel der Anwesenden interessierte auch der Download.
Das Lÿz hat mich wieder eingeladen.

Und die Einladung für den nächsten Vortrag an anderer Stelle ist auch da.
So kann es gerne weiter gehen.

Mailingliste, RSS, Web 2.0, … - brauche ich das eigentlich alles?

RSS-IconNachdem sich nach dem Platzen der großen Blase im Jahr 2000 erst einmal alle ein wenig beruhigt hatten, scheint es jetzt wieder so weit zu sein: Im Internet ist wieder etwas los.
Man braucht einen RSS-Feed, die Fotos bei flickr, lustige Filme bei YouTube, man hat selbstverständlich Kontakte bei XING und möglichst viele Freunde bei mySpace. eMail ist bei manchen Benutzern schon out, es wird per Messenger, Skype und Twitter kommuniziert.
Und wer nicht bloggt ist tot.

Stellt sich doch schnell die Frage: Braucht man das alles?

Es gibt - so viel steht fest - eine Menge neuer Entwicklungen im World Wide Web.
Und es bildet sich - so wie immer - eine Szene rund um diejenigen, die “dabei” sind. Rund um die Programmierer, rund um die Early Adaptor und die Multiplikatoren, die eine neue Technik braucht, um sich durchsetzen zu können.
Und wenn man sich innerhalb dieser Szene umguckt - also wenn man im Moment die entsprechenden Websites oder sogar Blogs liest - dann hat man natürlich schnell den Eindruck, man würde etwas verpassen.

Wenn man hingegen den Abgleich mit der großen Masse der Internetbenutzer vornimmt, dann wird man sehen, dass sich die meisten “neuen Techniken” dorthin noch gar nicht herumgesprochen haben.

Kann man sich also zurücklehnen und ausruhen? Oder soll man hektisch versuchen, noch schnell auf alle anrollenden Züge aufzuspringen?

Meiner Meinung nach ist beides falsch. Jedem Hype blind hinterher zu rennen, ist garantiert falsch. Zu wissen, was es an Möglichkeiten und damit auch an Chancen gibt, hingegen garantiert nicht.
Und wer sich in aller Ruhe erst einmal einen Überblick verschaffen kann, der kann dann auch als nächstes entscheiden, was für ihn brauchbar oder gut ist.

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