Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Twitter

Was ist Twitter?

Zuerst die Fakten: Twitter ist ein Web-Dienst, bei dem man - einmal angemeldet - kurze Nachrichten (bis zu 140 Zeichen um genau zu sein) veröffentlichen kann.
Die Nachrichten werden auf der Website twitter.com veröffentlicht und lassen sich in andere Websites einbinden.
Weiterhin kann man - wenn man angemeldet ist - die Nachrichten anderer User verfolgen - man kann sie entweder auf der eigenen Twitter-Seite lesen, sie via Messenger oder Browser-PlugIn lesen oder auch per SMS empfangen. Auch schreiben ist via SMS möglich.

Klingt einfach - und unglaublich sinnfrei. Schon Bloggern wird ja ein gewisser Exhibitionismus - bzw. der Voyeurismus, anderer Leute Tagebücher zu lesen unterstellt. Aber wie viel Selbstdarstellungsdrang muss man habn um der Frage “What are you doing?”, die hinter Twitter steht dauernd in aller Öffentlichkeit zu beantworten? Das kann es also nicht sein.

Was ist also Twitter?
Twitter ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht erlebt hat. Denn wenn man erst einmal eine kurze Zeit den Updates anderer User folgt merkt man, dass es eine gemeinsame Grundstimmung gibt: Twitter ist vergleichbar mit einem gut geölten Großraumbüro.
Alle Menschen, die ich dort auf meinem Schirm habe arbeiten tagsüber und twittern nebenher.
Und wie in einem Büro lernt man den Rhythmus der anderen kennen, wie in einem Büro kümmert sich mal einer darum, mit einem kleinen Spruch die gemeinsame Stimmung zu heben, mal entdeckt wer etwas und zeigt es den anderen und gelegentlich muss man auch mal Dampf ablassen.
Das alles kurz und knapp - weil man sich kennt und mag und gar nicht viele Worte nötig sind.

Obwohl man mit den Menschen am anderen Ende des Raumes wenig zu tun hat, sieht man sie jeden Tag und sie gehören dazu. Und mit denen, die die Schreibtischinsel mit einem teilen gerät man auch kurz mal ins Gespräch. Dafür haben sich auch innerhalb des arg beschränkten Platzes Formen entwickelt.

Und das alles, obwohl wir alle alleine in unseren Büros sitzen oder sogar gerade unterwegs sind - in unserer hochindividualisierten Gellschaft, die wir uns für unsere Arbeit und unser Leben ausgesucht haben.
Ein perfektes Werkzeug für meine Form der Arbeit also. Und für die die ca. 70 Menschen, die ich im Moment dort um mich habe und nicht mehr missen möchte.

Von Trollen und Anarchie

Viele Menschen, die mit dem Internet nicht so viel zu tun haben wie ich bekommen durch die klassischen Medien ein verzerrtes Bild vermittelt: Das Internet ist ein rechts- und regelfreier Raum, in dem sich Kinderschänder und Terroristen treffen und ihre Taten vorbereiten. Der Rest ist angefüllt mit Firmenpräsentationen und lustigen Mohrhuhn und Yeti-Spielchen.

Das Internet, mit dem ich tagtäglich zu tun habe ist quasi das Gegenteil: Da treffen Menschen aufeinander und kommunizieren. Oft auf einem unglaublich professionellen Niveau - dabei gleichzeitig menschlich und hilfsbereit.

Ein Kunde brachte das letztens schön auf den Punkt: “Christian, manchmal habe ich das Gefühl, da gibt es ein Parallel-Universum, in dem das Internet was Du kennst statt findet.”

So regellos, wie diese Parallelwelt der Blogs, Mailinglisten und Foren auf den ersten Blick scheint, ist sie bei genauerem Hinsehen dann gar nicht. Die Regeln stehen nur nicht in großen Buchstaben beim Eintritt in die Welt über der Tür, stattdessen muss man ein bisschen aufmerksam sein, muss zusehen wie es die anderen machen und sich dann einfach anpassen.
Aber noch einmal: Auf keinen Fall sollte man denken, es gäbe keine Regeln, nur weil man sie nicht sofort sieht.

In einer der Mailinglisten, in der ich täglich lese, schreibe, helfe und geholfen bekomme erlebt das gerade jemand.
Er hat - aus welchem Grund auch immer - die gesamte Liste seit Wochen und Monaten genervt. Meist einfach dadurch, dass seine eMails nicht einfach einmal ankamen, sondern gerne drei- oder viermal und an extremen Tagen auch noch öfter. Das klingt zuerst harmlos - strengt aber bei einem eMailaufkommen von über hundert eMails am Tag an, weil jede ankommende Mail ja ein wenig Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Da die Gründe eben nicht klar waren und der gemeine Mailinglisten-Teilnehmer auch meist ein hilfreicher Charakter ist wurde er oft und viel auf seine Fehler hingewiesen. Mal mit Hilfsangebot, mal ohne.
Ohne auf Einzelheiten einzugehen hat der Gute sich gestern Abend aber endgültig alle Sympathien verspielt. Er hat noch einmal kurz nicht nur mit der Geduld und der Zeit der Listen-Teilnehmer gespielt, sondern kurz auch noch mit ihrem Mitleid.

Die Reaktionen, die schon heute an einem Sonntag eintrudeln machen alle eins klar: Da hat sich jemand die Möglichkeit genommen, auf einen Pool von ca 500 Fachleuten zuzugreifen. Und zwar endgültig.
Denn es gibt nicht nur Regeln, es gibt auch Konsequenzen.
Eine davon heisst im Jargon gerne *Plonk* und soll lautmalerisch das Geräusch eines auf dem Boden eines Mülleimers auftreffenden Gegenstandes nachahmen. So als ob man jede Nachricht des anderen sofort entsorgt.
Das hat er heute öfter gehört.

Wem gehört eine Website?

Bei einer normalen Firmen-Website ist die Frage klar: Sie gehört der Firma oder einem ihrer Bevollmächtigten.

Aber was ist bei einer Community-Site, was ist mit einer Website die nichts anderes tut, als einen Service für ihre Mitglieder anzubieten? Auf den ersten Blick kann man das natürlich auch im Impressum nachschauen.

Andererseits funktioniert eine Community nur, wenn die Mitglieder sich ihr verbunden fühlen, wenn sie sich auf der Website in einem gewissen Sinn “zu Hause” fühlen. Und so müssten die Besucher eigentlich mindestens ein Mitspracherecht haben, wenn es zum Beispiel um Funktionen, oder um das “Look & Feel” der Website geht.
Ein gutes Beispiel liefert da im Moment einer der ältesten Communities in Deutschland - die Experten-Community wer-weiss-was.
Die haben nämlich vor kurzer Zeit einen optisch radikalen Relaunch hingelegt und diskutieren jetzt im Unterforum mit dem hoffnungsvollen Namen “Anregungen, Lob und Kritik” die Austrittsdrohungen aus.

Shift happens

Web 2.0 vs Welt 1.0

Screenshot TV-BrowserEs knirscht im Gebälk. Immer dann, wenn bestehende Strukturen von neuen Ideen aus dem Web 2.0 über den Haufen gerannt werden. Wenn sich der freie Informationsaustausch an alten Verwertungs- und vor allem Verwerter-Strukturen reiben.

Jüngster Fall ist wohl TVBrowser.org, die mir seit einiger Zeit in einem wunderbaren kleinen Programm das Fernsehprogramm bereit stellte.
Ab dem 1.1.2008 leider aber nicht mehr für alle Sender, denn die VG Media - eine Verwertungsgesellschaft für Medienunternehmen, vergleichbar der VG Wort oder der GEMA für Musik fordert für die Veröffentlichung der Daten der von ihr vertretenen Sender eine Gebühr.

Aus den Strukturen der VG Media heraus verständlich.

Aus den Strukturen eines Web 2.0-Dienstes heraus ist es genau so verständlich, dass sie diese Gebühren nicht bezahlen wollen und können.

Also knirscht es im Gebälk.

Wikimedia verändert die Welt …

Screenshot WikipediaSo steht es im Moment ganz oben auf einem der erfolgreichstem und sicherlich dem bekanntestem “Web 2.0″ - Projekt.
Das dieser Satz aber auch eine ganz andere Bedeutung bekommen kann, schildert der Artikel “Kaffeeservice und Bügelbrett“, der - wieder einmal - zeigt, dass das Web 2.0 eine Menge Medienkompetenz voraussetzt.
Ein Artikel übrigens, den ich jetzt überhaupt gar nicht gegengeckeckt habe - ich bin schließlich Blogger und kein Journalist ;)
Die Wahrheit liegt also irgendwo da draußen. Vermutlich im Internet.

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