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Barrierefreies Webdesign - so wars

03.04.2007
Sie lesen hier einen Artikel im Archiv eines lange geschlossenen Blogs. Die Informationen können also arg veraltet sein.
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Kurze Zusammenfassung und ein paar Gedanken zum gestrigen Abend.
Erst einmal vielen Dank an Jan Eric Hellbusch, der den ganzen Abend sehr interessant eine Reise quer durch die Aspekte des barrierefreien Webdesigns machte. Ebenfalls Danke an Andrea und Ellen für Raum und Organisation.

Jan Eric lieferte eine perfekte Einführung in das Thema barriefreies Webdesign. Er begann mit kurzen Definitionen, stellte die wichtigsten Handicaps und wie sie sich auf die Arbeit am Computer auswirken sowie dazu passende Hilfsmittel (alternative Eingabe- und Ausgabegeräte) vor und machte dann noch einen kleinen Ausflug ins Internet, um am Beispiel einiger bekannter und dann auch am Beispiel eines meiner jüngsten Werke zu zeigen, wie er das Internet mit dem Screenreader Jaws erlebt.

Da mir die Grundlagen sowohl möglicher Behinderungsformen aus einem früheren Leben als Student für Sehbehindertenpädagogik als auch die Grundlagen eines standardkonformen und barriefreien Webdesigns bekannt sind brachte mir der Abend zuerst einmal die beruhigende Erkenntnis, dass ich zumindest nicht ganz dumm da stehe. Jan Eric konnte meine Website prinzipiell benutzen und der vergessene Alternativ-Text beim Bild war natürlich peinlich, zeigte eigentlich ein ganz anderes Dilemma auf:

Barrierefreiheit spielt bei der täglichen Arbeit nicht wirklich eine Rolle, weil sie schlichtweg nicht honoriert wird. Und dann wird man unaufmerksam. Hat keine Zeit oder kein Budget mehr für weitere Kleinigkeiten, die anderen helfen könnten.

Neben mir saß Nurdan Ergün und wir stellten übereinstimmend fest, dass es in unserem Alltag schlichtweg niemanden interessiert, ob eine Site barrierefrei ist oder nicht.
So lange bei Barrierfreiheit immer noch nur an “die Blinden” gedacht wird, die man viel zu leicht mit dem Argument “Randgruppe” beiseite schieben kann, so lange wird es vermutlich einen Kunden in einem normalen Betrieb nicht interessieren, ob seine Site mit einem Screenreader zu lesen und mit der Tastatur zu bedienen ist. Und die Texte werden von der Marketingabteilung verfasst und selbstverständlich nicht in leichte Sprache übersetzt.
Und das ist ja auch niemand zu verübeln.

Trotzdem muß das Umdenken da anfangen. Denn Barrierefreiheit ist nicht eine technische Lösung, sondern ein Konzept, das lange vor dem ersten Html-Tag anfängt - das ist mir gestern Abend noch einmal richtig deutlich geworden.

Es muss - und das wird vermutlich noch ein Weilchen dauern - ein Umdenken stattfinden. Denn nicht nur der Mann auf der Straße mit dem weißen Stock ist sehbehindert, sondern auch die Schwiegermutter mit den dicken Brillengläsern. Die gehört aber zur äußerst zahlungswilligen Gruppe der “jungen Alten”, die die Werbung ja auch langsam für sich entdeckt.

Und ich denke da könnten dann mal die ersten Barrieren fallen.

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